Die gesellschaftliche Überforderung durch die digitale Informationsflut
Die Informationsüberflutung durch die Digitalisierung und die ständige Erreichbarkeit setzen viele Menschen zunehmend unter Druck. Als Reaktion auf die digitale Überforderung wird nach Möglichkeiten gesucht, sich von der permanenten Vernetzung zu befreien und wieder mehr analoge Erfahrungen ins Leben zu integrieren. Dieser gesellschaftliche Trend wird in einer Studie von Admeira genauer unter die Lupe genommen. Eine repräsentative Befragung der Deutsch- und Westschweizer Bevölkerung zeigt die Hintergründe der Überlastung und die Alternativen auf.
In der heutigen digitalisierten Welt wird die wachsende Überforderung durch das Internet immer spürbarer. Viele Menschen fühlen sich durch die permanente Verfügbarkeit von Informationen und den zunehmenden Druck, stets online erreichbar zu sein, belastet. Bekannte Zukunftsforscher wie Tristan Horx behaupten, dass der digitale Hype seinen Höhepunkt erreicht hat, und wir kurz vor einem Gegentrend in Richtung achtsamer Medienkonsum stehen.
Admeira fragte in einer repräsentativen Studie bei der Schweizer Bevölkerung nach. Was müssen Medien bieten? Welche Aspekte führen zur Überforderung? Und welche Unterschiede zwischen TV und Internet wahrgenommen werden?
Informationen und grosse Auswahl an Inhalten ist die Erwartung an Medien
In der Studie wurde gefragt, welche Aspekte bei der Mediennutzung eine wichtige Rolle spielen. Dabei wurde klar, dass bei ca. zwei Drittel aller Teilnehmer:innen der schnelle Zugriff auf Informationen und für etwas mehr als die Hälfte eine grosse Auswahl an Inhalten sehr relevant sind. Interaktionsmöglichkeiten mit Medien werden als deutlich weniger wichtig erachtet.
Ständige Erreichbarkeit und permanente Ablenkungen durch das Internet überfordern
Vor allem in der Deutschschweiz zeigt sich deutlich, dass die permanente Erreichbarkeit im Internet durch Nachrichten, E-Mails etc. und die daraus entstehende ständige Ablenkung die Menschen am meisten überfordern. In der Westschweiz beurteilen zudem rund knapp die Hälfte aller Befragten die Angst vor Datenmissbrauch als wichtigen Aspekt der Überforderung. Zu viel Informationsflut und persönlicher Druck auf Social Media gehören ebenso zu den Fakten der Internet-Überforderung (Abb. 2).
Menschen sind sich deshalb einig, dass ein gesundes Verhältnis zu Internet-Medien immer wichtiger wird. Der Schutz vor dem Internet spielt besonders in der Erziehung und in der Bildung (Schule) eine zentrale Aufgabe, sagen knapp die Hälfte aller Teilnehmenden. Als Möglichkeiten für eine bewusste Nutzung von digitalen Medien wurde vor allem das Abschalten von Benachrichtigungen genannt. Ausweichen auf andere Beschäftigungen oder die Reduzierung der Nutzungsdauer sind weitere Möglichkeiten für ein entspannteres digitales Leben. Eine reduzierte Nutzung oder sogar Verzicht aufs Smartphone können sich nur knapp ein Drittel der Bevölkerung vorstellen. Das Verhalten bei der Mediennutzung konkret anzupassen, ist aber durchaus vorstellbar. So wollen viele zum Beispiel mehr Bücher lesen (60%) oder künftig mehr TV schauen (18%).
TV als Gegenpol zu den digitalen Gefahren
Das Stichwort «Fake News» ist ein aktuelles Thema bei den Befragten. Es gibt jedoch Unterschiede. Im Vergleich zwischen den Medien Internet und TV finden knapp 70%, dass das Internet ein Medium ist, bei dem man aufpassen muss, ob Informationen wirklich richtig oder «fake» sind. TV wird als deutlich vertrauenswürdiger wahrgenommen und es haben nur ungefähr 30% der Befragten diese Befürchtung. Dies gilt auch für die Suchtgefahr, welche im Internet als deutlich höher beurteilt wird, besonders in der Deutschschweiz. Auch bei der Vereinsamung beim Medienkonsum – wenn auch auf einem viel tieferen Niveau – zeigt sich TV deutlich weniger riskant (Internet 40% vs. TV 22%). Rund 50% der Schweizer Bevölkerung bestätigt in dieser Befragung, dass TV entspannt. Das Internet wird in der Deutschweiz von nur 18% und in der Westschweiz von 36% als entspannend bezeichnet.
TV schafft durch seine selbstbestimmte Möglichkeit, sich zu informieren, mehr Entspannung und weniger Suchtgefahr als das Internet. Dies unterstreicht, dass TV zur Entschleunigung im digitalen Zeitalter beiträgt.
Fazit
Die gesellschaftliche Überforderung durch die digitale Informationsflut zeigt sich in dieser Studie als eine Realität. Insbesondere die ständige Erreichbarkeit und permanente Ablenkungen durch das Internet belasten die Befragten. Als Ausweg sehen viele den Fokus auf eine bewusste und reduzierte Nutzung von digitalen Medien – mehr fernzusehen wird als Alternative genannt.
Der Vergleich zwischen dem Medium Internet und dem Medium TV zeigt dann auch, dass Risiken wie Suchtgefahr, Einsamkeit und die Verbreitung von Fake-News im Internet mehr als doppelt so hoch beurteilt werden als im TV. Fernsehen bietet im Gegensatz zum Internet eine selbstbestimmte Möglichkeit, sich zu informieren oder zu entspannen, ohne dauerhafte Ablenkung. Dies bestätigt die positiven Eigenschaften des Fernsehens als Lean-Back-Medium.
Zur Studie
Steckbrief der Studie
Thema
Studie Gesellschaftliche Überforderung durch die digitale Informationsflut
Methode
Online-Befragung GFK-Online-Bus
Datenquelle
Forschungsinstitut GfK Switzerland AG, Rotkreuz
Gebiet
Deutsch- und Westschweiz
Zielgruppe
15- bis 74-jährige Personen
Stichprobengrösse
D-CH: n=755
W-CH: n=506
Stichprobenverfahren
Bevölkerungs-repräsentativ nach soziodemographischen Merkmalen, Random-Quota
Befragungszeitraum
D-CH: Woche 26/2024
W-CH: Woche 36-37/2024
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