Experiment «Social TV Impact»: Wie werden TV-Sender im sozialen und gesellschaftlichen Kontext bewertet?
Die Grundlage für erfolgreiche Werbung sind reichweitenstarke und qualitativ hochwertige Medienkanäle als Werbeplattformen. Die Relevanz der Medienkanäle hängt direkt davon ab, wie sie von den Konsument:innen bewertet werden. Diese Bewertung findet in einem sozialen, gesellschaftlichen Kontext statt. Sie beruht auf vorgefertigten Einstellungen, wird aber auch davon beeinflusst, ob ein Kanal unmittelbar konsumiert wird. Dies sind die Erkenntnisse aus einem Experiment, welches Admeira für das Medium TV durchgeführt hat.
Um herauszufinden, wie der soziale und gesellschaftliche Kontext die Bewertung von TV-Sendern beeinflusst, wurde ein Mediennutzungs-Experiment durchgeführt. Dafür wurden 21 Teilnehmer:innen in eine Experimentalgruppe und 46 Teilnehmer:innen in eine Kontrollgruppe eingeteilt.
In der Experimentalgruppe schauten die Proband:innen innerhalb einer Woche jeweils mindestens drei Sendungen ihrer Wahl und reflektierten diese im Anschluss. Zehn Personen wählten ausschliesslich Sendungen auf öffentlich-rechtlichen Kanälen, zwei Personen ausschliesslich Sendungen auf privaten Stationen und neun Personen sahen eine Mischung aus Sendungen auf öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern. Die Kontrollgruppe verzichtete aufs Fernsehen während fünf aufeinanderfolgenden Tagen und beantwortete anschliessend die Fragen.
Qualität der Inhalte und der journalistischen Arbeit
Fernsehen ist ein zentraler Bestandteil des Lebens der Bevölkerung. Besonders öffentlich-rechtliche Sender wie die SRG geniessen hohes Vertrauen, da sie als neutral, qualitativ hochwertig und unabhängig bewertet werden. Die Teilnehmer:innen des Experiments betonten, dass die SRG Sender wichtige gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Themen ansprechen und dabei regionale sowie nationale Perspektiven berücksichtigen. Private Sender hingegen wurden primär für ihre unterhaltenden Inhalte geschätzt, jedoch oft als oberflächlich und weniger gesellschaftlich relevant empfunden.
Die Ergebnisse in der Experimentalgruppe zeigen, dass Zuschauer:innen die gesehenen Inhalte mit ihren bestehenden Hypothesen abgleichen. In Bezug auf die Qualität führt der Konsum der Sendungen sowohl auf den öffentlich-rechtlichen (SRG) als auch auf privaten Sendern zu einer Korrektur der Bewertung nach oben. Einstellungen in Bezug auf die Qualität der TV-Kanäle fallen in der Experimentalgruppe, wo TV-Sendungen angeschaut und reflektiert wurden, besser aus. Dies widerspiegelt sich auch in Originalaussagen in der Reflektion, wie beispielsweise: «SRF bietet Unterhaltung, Information, Hintergrundreportagen, Dokumentation auf sehr hohem Niveau. Dies beinhaltet Sendungen, die einen im Leben weiterbringen, Wissenserweiterung, Anregung zum Nachdenken, aber auch Emotionen, sei es Lachen oder Weinen.»
Die gleichen Effekte vom aktiven Fernsehschauen wie bei der Bewertung der Qualität beobachten wir auch bei der Bewertung der persönlichen Relevanz und bei der Wichtigkeit für die Informationsversorgung. Immer führt der aktive Konsum der TV-Sendungen dazu, dass die TV-Sender am Ende der Woche zum Zeitpunkt der Befragung besser bewertet werden (alle Detailresultate finden sich in der Studienpublikation am Ende des Artikels).
Soziale Verantwortung
Doch nicht in jedem Fall akzentuieren sich die Bewertungen in der Experimentalgruppe in die positive Richtung. Bei der Frage nach der sozialen Verantwortung der TV-Sender ergab sich ein unterschiedlicher Effekt zwischen den öffentlich-rechtlichen Sendern und den privaten Sendern.
Bei den öffentlich-rechtlichen Sendern beobachten wir das gleiche Bild wie bei der Bewertung der Qualität. Während in der Kontrollgruppe die positive Bewertung in Bezug auf soziale Verantwortung bei 74% liegt, steigt sie in der Experimentalgruppe auf 87%. Diese Bewertung wird vor allem durch die konkreten Erfahrungen mit den Inhalten erklärt. Themen wie Cybersicherheit, Energieversorgung und Tagespolitik wurden als besonders wertvoll hervorgehoben, da sie auf den SRG Sendern tiefgründig behandelt und aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet wurden.
Einen anderen Effekt wurde hier bei den privaten Sendern beobachtet. Auffällig ist, dass die Bewertung in der Kontrollgruppe mit 43% besser ausfällt als in der Experimentalgruppe mit 35%. Personen, welche effektiv unmittelbare Erfahrungen mit den Sendungen gemacht haben, bewerten die privaten Sender in Bezug auf soziale Verantwortung am schlechtesten. Ein Teilnehmer kommentiert: «Wichtige Themen werden angesprochen, aber die Diskussion bleibt oberflächlich.» Zudem steht Unterhaltung bei diesen Sendern im Vordergrund, was von vielen Teilnehmer:innen zwar geschätzt, jedoch nicht als Ausdruck sozialer Verantwortung gewertet wurde.
Fazit
Die Ergebnisse zeigen, dass der direkte Konsum von Fernsehinhalten die Wahrnehmung und die Bewertung der Sender stark beeinflusst. Die öffentlich-rechtlichen Sender der SRG profitieren davon, dass sie relevante Themen umfassend und ausgewogen darstellen. Dies führt bei aktiven Zuschauer:innen zu einer deutlich höheren Wertschätzung. Private Sender hingegen werden in beiden Gruppen primär als unterhaltungsorientiert wahrgenommen und spielen in der gesellschaftlichen Verantwortung eine untergeordnete Rolle. Auch sie profitieren in der Regel jedoch davon, wenn ihre Inhalte aktiv genutzt werden.
Der Verzicht auf Fernsehen in der Kontrollgruppe führte dazu, dass diese ihre Einschätzungen eher auf frühere Erfahrungen oder allgemeine Annahmen stützen mussten. Ohne aktuellen Konsum fehlten ihnen konkrete Beispiele, um die gesellschaftliche Relevanz der Inhalte zu bestätigen. Dennoch wurde auch in dieser Gruppe die Relevanz der SRG Sender für die Schweizer Bevölkerung anerkannt.
Studiendokumentation:
Steckbrief der Studie
Methode
Experiment mit zwei Monaden
Datenquelle
Methodenpartner BilendiDiscuss (Forschungssoftware von Bilendi) erhob die Daten mittels WhatsApp-Befragung und mit Unterstützung durch KI-Moderation
Universum
Männer und Frauen aus der Deutschschweiz zwischen 18 und 74 Jahren, welche Whatsapp oder Facebook-Messenger nutzen
Stichprobenverfahren / Quoten
gute Durchmischung von Alter und Geschlecht
Stichprobengrösse
n=67
Feld
D-CH, Juli 2024
Durchführendes Institut
BilendiSchweiz
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