Vertrauen im Wandel: Globale Stimmung, Medientrends und Brand Safety
In einer Zeit, die von schnellem Wandel und damit verbundenen Unsicherheiten geprägt ist, gewinnt Vertrauen zunehmend an Bedeutung. Die globale und nationale Stimmung sowie das Vertrauen in Institutionen beeinflussen stark unsere Zukunftsperspektiven und die Glaubwürdigkeit von Medien und Marken. Dieser Beitrag beleuchtet die aktuellen Vertrauenslevels, zieht Vergleiche zwischen globalen Studien und einer hauseigenen Befragung in der Schweiz und zeigt auf, welche Möglichkeiten sich daraus für den Werbemarkt ergeben könnten.
Globale Stimmung und allgemeines Misstrauen
Die globale Stimmung wird als eher schlecht eingeschätzt. Das Edelman Trust Barometer 2025, das auf Befragungen zwischen dem 25. Oktober und 17. Dezember 2024 in 28 Ländern (Personen gesamt, 18+) basiert, zeigt eine weit verbreitete Unzufriedenheit: 6 von 10 Personen hegen Unzufriedenheit gegenüber Unternehmen, Regierung und Reiche. Insgesamt sind 61% der Befragten mittel bis hoch unzufrieden (41% hoch und 20% mittel unzufrieden). Die Hauptgründe für diesen Unmut sind die Wahrnehmung, dass «Unternehmen und Regierung nur einigen wenigen Auserwählten dienen», dass «Handlungen von Unternehmen und Regierung schaden» und dass «die Reichen immer reicher werden».
Die allgemeine Skepsis schlägt sich auch in mangelndem Optimismus für die Zukunft nieder. Global glauben nur 36% der Befragten, dass es der nächsten Generation besser gehen wird als der heutigen. In den meisten Industrieländern ist dieser Wert sogar noch niedriger; beispielsweise sind in Frankreich nur 9%, in Deutschland 14%, in Italien 15%, in Grossbritannien 17% und in den USA 30% optimistisch für die folgende Generation. Im Gegensatz dazu ist der Optimismus in Ländern wie Nigeria mit 50% höher.
Vertrauen in Medien: Eine differenzierte Sicht
Das Vertrauen in die Medien ist weltweit eher gering. Eine Mehrheit der Befragten glaubt, dass Medien lieber ein möglichst grosses Publikum anziehen, anstatt der Bevölkerung zu sagen, was sie wissen müssen (58%). Ebenso sind 53% der Meinung, dass Medien eine Ideologie unterstützen, anstatt die Öffentlichkeit zu informieren. Weltweit herrscht in 14 von 28 Ländern Misstrauen gegenüber den Medien. Auch in Europa ist das Vertrauen in Medien niedrig, mit Werten von 57% in den Niederlanden, 52% in Italien, 45% in Frankreich und 44% in Deutschland. Im weltweiten Durchschnitt liegt das Vertrauen in Medien bei 52%, was eine Verbesserung um 2 Prozentpunkte seit 2023 bedeutet (siehe Abb. 2).
Bei den verschiedenen Nachrichtenkanälen geniesst Social Media mit nur 42% das geringste Vertrauen. Der Wert ist im Vergleich zu 2023 sogar um 2 Prozentpunkte gesunken. Im Gegensatz zu den globalen Trends des Edelman Trust Barometers zeigt das Admeira AdPanel – unser eigenes Forschungsinstrument für AdHoc Forschungsthemen und Werbewirkungsforschung – ein differenziertes Bild für die Schweiz, insbesondere hinsichtlich der Medien. Die Studie «Future Trust Level» untersuchte das Vertrauen der Deutschschweizer in Institutionen, «das Richtige für eine gute Zukunft zu tun». Hierbei ergab sich, dass klassische Medien (TV, Radio, Print) mit 67.5% das höchste Zukunftsvertrauen geniessen. News-Webseiten folgen mit 56.3% Vertrauen, während soziale Medien (Instagram, Facebook, Tiktok, etc.) mit nur 23.9% das geringste Vertrauen für die Zukunft aufweisen. Unternehmen/Marken weisen in dieser Erhebung ein Zukunftsvertrauen von 58.0% auf (Abb. 3).
Dies widerspiegelt sich auch im UBS Sorgenbarometer 2024. Die Schweizer Bevölkerung ist laut dieser Studie allgemein optimistischer, mit 47% hoher oder sehr hoher Lebenszufriedenheit und 66% guter oder sehr guter eigener wirtschaftlicher Lage. 83% erwarten, dass ihre persönliche wirtschaftliche Lage im Jahr 2025 gleich bleibt oder sich gar verbessert.
Herausforderungen der Brand Safety und die Rolle von KI-generierten Inhalten
Gemäss dem Video Advertising Bureau (VAB) wird das geringe Vertrauen in bestimmte Medienkanäle, insbesondere Social Media, durch wiederkehrende Brand Safety-Vorfälle und die Zunahme von KI-generierten Inhalten verschärft. In der Vergangenheit haben grosse Marken wie AT&T und Verizon (2017) ihre Werbung auf YouTube eingestellt, nachdem ihre Anzeigen neben extremistischen Videos gezeigt wurden. Im Jahr 2023 stellten Adobe, Apple, IBM, Coca-Cola, Uber, Airbnb und andere ihre Ausgaben für «X» ein, nachdem Elon Musk antisemitische Verschwörungstheorien verbreitet hatte und Anzeigen neben pro-nationalsozialistischen Inhalten erschienen. Auch die Plattformen von Meta wurden 2024 dabei erwischt, Unternehmenswerbung neben «eindeutig illegalen» Inhalten, wie Material über sexuellen Kindesmissbrauch und Gewalt gegen Frauen, zu platzieren.
Zudem hat Meta die Abschaffung des Faktenchecks, zunächst in den USA, umgesetzt und setzt nun darauf, dass User:innen entscheiden, was wahr oder Fake News ist. Ähnliches wurde auf «X» nach der Übernahme durch Elon Musk umgesetzt. Obwohl Meta in Europa durch das Digital Services Act (DSA) zur Verantwortung von Online-Plattformen weitgehend gebunden ist, räumte Mark Zuckerberg ein, dass es mit dem neuen Ansatz «mehr schlechte Dinge» auf seinen Plattformen geben werde, dafür aber weniger Fehler durch «übertriebene Moderation».
Ein weiteres wachsendes Problem sind KI-generierte Videos und Bilder, die grosse, werbefinanzierte Videoplattformen fluten. Diese Inhalte sind leistungsfähiger und einfacher zu bedienen dank KI-Tools. Ein Journalist entdeckte ein «riesiges Netzwerk» von YouTube-Kanälen, die komplett KI-generierte Video-Inhalte verbreiten, oft mit «grausamen Fotomontagen» und «widerwärtigen Falschmeldungen» über Prominente, um maximale Aufmerksamkeit zu erzielen. Die Gefahr für Werbetreibende, Ads in solchen Umfeldern zu platzieren, ist offensichtlich.
Fazit
Die aktuelle Datenlage zeigt ein komplexes Bild des Vertrauens. Während die globale Stimmung tendenziell negativ ist und das Vertrauen in viele Institutionen, einschliesslich der Medien, schwindet, gibt es in der Schweiz eine bemerkenswerte Ausnahme: Klassische Medien geniessen weiterhin hohes Zukunftsvertrauen. Dieses Ergebnis aus unserer Admeira AdPanel Studie hebt die besondere Rolle von traditionellen Medien als vertrauenswürdige Informationsquelle hervor, die eine sichere und effektive Plattform für Werbetreibende bietet. In Anbetracht der Risiken von Brand Safety-Vorfällen und der Verbreitung von KI-generierten Falschinformationen auf weniger moderierten Plattformen werden Investitionen in qualitativ hochwertige, journalistische Umfelder, insbesondere im klassischen TV-Bereich, zu einer strategischen Notwendigkeit. Es ist eine Investition in die Markenreputation, die Gesellschaft und letztlich in eine stabilere Zukunft für alle.
Edelman Trust Barometer 2025
Befragungszeitraum: 25.10. bis 17.12.2024
Befragung: In 28 Ländern, Personen gesamt, 18+
Stichprobengrösse: n=33’000 / n pro Land: +/- 1’150 – 2’124
Quelle: https://www.edelman.com/trust/2025/trust-barometer
UBS Sorgenbarometer 2024
Befragungszeitraum: 19.08. bis 16.09.2024
Grundgesamtheit Schweizer Stimmberechtigte
Stichprobengrösse: Total N=2250
Durchführendes Institut: gfs Bern
Quelle: https://www.ubs.com/sorgenbarometer
Admeira AdPanel: Future Trust Level 2025
Methode: Mehrthemenbefragung im GfK-Online-Bus
Universum: Online-Bevölkerung der Deutschschweiz, 15 - 74 Jahre im Online-Nutzerkreis
Stichprobengrösse: D-CH: 757
Feld: Woche 10 / 2025
Durchführendes Institut: GfK Switzerland AG, Rotkreuz
Mehr Informationen und Antworten direkt von:













